Erwachsene mit ADHS: Sie leiden oft an weiteren Krankheiten

"Lange galt ADHS als eine Entwicklungsstörung bei Kindern. Doch auch Erwachsene können unter der Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung leiden. Damit können weitere gesundheitliche Probleme verbunden sein, wie eine eben veröffentlichte Studie des schwedischen Karolinska-Instituts im Fachmagazin «The Lancet Psychiatry» zeigt."

Interessant ist die Studie insbesondere aufgrund der großen Zahl sowie der familiären Verbindungen der Probanden. Insgesamt wurden fast 5 Millionen Personen berücksichtigt, darunter 3,8 Millionen direkt miteinander verwandte Personen und fast 500.000 Halbgeschwisterpaare. Die Teilnehmer bildeten über 1,8 Millionen Familienverbände, innerhalb derer auch andere Verwandtschaftsgrade wie Eltern-Kind, Cousin bzw. Cousine sowie Ehepartner auf Zusammenhänge untersucht werden konnten.

Die Korrelationen erbrachten erhöhte Komorbiditäten der ADHS mit fast allen berücksichtigten Erkrankungen - mit dem größten Zusammenhang für Erkrankungen des Nervensystems. Keine Unterschiede ergaben sich zwischen Männern und Frauen. Die Analyse der Verwandtschaftsgrade legt nahe, dass im Mittel rund 2/3 der Korrelationen auf gemeinsamen genetischen Faktoren beruhen.

Interessanterweise fielen die genetischen Zusammenhänge (Verwandtschaft) mit den zugleich erfassten Erkrankungen des Nervensystems (Parkinson, Demenz, Epilepsie, Migräne, Schlafstörungen) am geringsten aus. Fast 60% der erklärten Varianz sind in deren Fall auf Umweltfaktoren zurückzuführen, die nicht von den Familienmitgliedern geteilt werden, insofern die jeweiligen Personen nicht im selben Haushalt leben.

Diese umfangreiche Registerstudie ist ein weiterer Beweis für die genetische Disposition der ADHS und ihre komplexen Bezüge nicht nur zu psychischen Störungen, sondern insbesondere körperlichen Erkrankungen. Nachgerade psychodynamische Ätiologien der ADHS erscheinen im Lichte der Studienbefunde zunehmend unwahrscheinlicher, jedoch ist nicht ausgeschlossen, dass körperliche Faktoren über eine genetische Disposition hinaus die ADHS-Symptomatik begünstigen.


https://www.tagblatt.ch/leben/…en-krankheiten-ld.2161830